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Das MĂĽllproblem und die Zero Waste Bewegung

Gastbeitrag von Isabel Matthias, Studentin der Integrierten Europastudien

Bilder von Abfallbergen und Müllinseln in den Weltmeeren haben inzwischen die meisten Menschen schon einmal gesehen. Da wir Menschen zu viel Müll und insbesondere zu viel Plastikmüll produzieren und dieser oft nicht ordnungsgemäß entsorgt wird, gelangt Plastik an die unmöglichsten Stellen dieses Planeten. Die KlimaWerkStadt aus der Bremer Neustadt rief daher für den Juli zu einer Müll-Challenge auf. Ab dem 03.07. wird versucht einen Monat möglichst müllfrei zu leben. Unterstützt wird die Challenge mit verschiedenen Veranstaltungen zu dem Thema.

MĂĽllinsel im Meer (c)pixabay

MĂĽllinsel im Meer
(Quelle pixabay)

Aus gegebenem Anlass möchte auch ich mich dieser Herausforderung stellen. Besonders motivierend ist fĂĽr mich dabei, dass es seit Kurzem auch in der KornstraĂźe, also in meiner Nachbarschaft, in der Neustadt das „FĂĽllkorn“ gibt, ein Geschäft, das weitestgehend ohne Verpackung und ganz ohne Plastik auskommt. Im Jahr 2016 fielen in Deutschland 411,5 Tonnen Abfall an, pro Kopf waren es circa 626 Kilogramm MĂĽll. Damit liegt Deutschland im MĂĽllranking Europas auf Platz 2 – lediglich Dänemark  hatte eine noch größere MĂĽllproduktion mit 777 Kilogramm pro Person. Betrachtet man die Konsequenzen, die unser Konsum und die achtlose Entsorgung des Abfalls fĂĽr das Klima, die Artenvielfalt und die beeinträchtigten Lebensräume nach sich ziehen, ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen der Zero Waste Bewegung anschlieĂźen und versuchen, ein plastikfreies oder vollständig mĂĽllfreies Leben zu fĂĽhren.  

Worum geht es?

In den vergangenen Jahren ist mit Blick auf den Umgang mit Müll in einigen Teilen der Gesellschaften viel passiert. Während lange das Recycling das Mittel der Wahl war, war zuletzt der Trend des „Upcyclings“, also die Umfunktionierung alter Gegenstände durch Umbau mit Dingen, die sonst weggeworfen würden, zu beobachten. So entstehen häufig spannende und tolle „neue“ Dinge. Das Zero-Waste-Prinzip setzt nun bereits einen Schritt weiter vorn an – beim „Precycling“: Es soll von vornherein vermieden werden, dass überhaupt Müll anfällt.

Wie geht es?

Um das Leben möglichst müllfrei beziehungsweise müllarm einzurichten, ist die 5R-Strategie in Zero-Waste Netzwerken und Plattformen gängig:

Schritt I: Refuse – Vermeidung und Ablehnung

Unnötige Verpackungen sollen vor vornherein vermieden werden. Werbegeschenke können schlicht nicht angenommen, Werbung kann durch entsprechende Beschilderung an Briefkästen abgelehnt werden. Informiert eure Freunde und Familie über euren Lebenswandel, damit auch sie sich darauf einstellen können und keine Dinge mitbringen, die nicht benötigt werden oder die verpackt sind!

Schritt II: Reduce – Reduktion

An diesem Punkt stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit, meint konkret: Brauche ich diesen Gegenstand, dieses Lebensmittel, dieses Kleidungsstück …? Ich habe mir angewöhnt mir diese Frage beim Einkaufen regelmäßig zu stellen. Brauche ich etwas wirklich oder geht es nur um die Befriedigung eines kurzfristigen Bedürfnisses? Hier geht es um den bewussten Konsum. Viele Dinge kann man zudem gebraucht erwerben oder sich ausleihen und damit Ressourcen (nicht zuletzt die eigenen, finanziellen) schonen.

Schritt III: Reuse – Wiederverwenden und Reparieren

Wie bereits bei Schritt II erwähnt, ist der Erwerb bereits gebrauchter Gegenstände beispielsweise in Second Hand Geschäften oder auch Flohmärkten enorm ressourcenschonend und vermeidet neue (potenzielle Müll-) Produktion. Die meisten gebrauchten Sachen können problemlos wiederverwendet oder praktisch umfunktioniert werden. Selbst wenn die Gegenstände nicht mehr in tadellosem Zustand sind, können sie zumeist sehr einfach repariert werden, dabei kann man ihnen zusätzlich eine persönliche Note verpassen! Es gibt mittlerweile immer mehr so genannte „Repair Cafés“, die eine Infrastruktur zur Reparatur zur Verfügung stellen (Werkzeuge usw.) und bei Bedarf beratende Hilfestellung. Auch Initiativen wie das Foodsharing und Foodsaving gehören in diesen Bereich, denn sie versuchen das Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel zu verhindern. Ich bin immer wieder erstaunt wie viel und in welcher Qualität sich Lebensmittel „retten“ lassen. Kleidertausch und Boxen mit Gegenständen, die zu verschenken sind, am Straßenrand – all dies soll verhindern, dass Dinge zu Müll werden.

Aus alt mach neu (Quelle pixabay)

Aus alt mach neu
(Quelle pixabay)

Als alte Bastlerin bin ich hier schon richtig dabei. Zu einem Geburtstag habe ich vor Kurzem einen Beistelltisch aus einem alten Autoreifen verschenkt und aus alten Stoffen nähe ich gerne etwas Neues. Auch hierbei wird man in der KlimaWerkStadt fĂĽndig. Wer Dinge besitzt, der nicht mehr benötigt werden, kann diese dorthin bringen. Andere  können sich dort dann gegen Spende wieder etwas mitnehmen und umfunktionieren.

Schritt IV: Recycling – Zur Wertstoffsammlung geben

Recycling funktioniert nicht überall in Deutschland gleich, aber zumindest ähnlich. In Bremen gibt es die graue Tonne für Restmüll, die braune Tonne für Biomüll und eine blaue Tonne für Papiermüll. Manchmal gibt es eine gelbe Tonne für Recyclingfähiges und Plastikmüll. Im ecolo Büro stehen hierfür entsprechend verschiedene Müll-Behältnisse bereit. Andere Abfälle, wie beispielsweise Elektrogeräte, Druckerpatronen oder Batterien müssen zu speziellen Sammelstellen oder direkt zum Wertstoffhof gebracht werden. Wenn Müll richtig entsorgt wird, kann dieser recycelt und die Rohstoffe zur Herstellung eines neuen Gegenstandes genutzt werden – es lohnt sich also!

Schritt V: Rot – Kompostieren

Auch ohne Garten kann kompostiert werden. Beispielsweise indem man seine Abfälle in die braune Tonne fĂĽr den BiomĂĽll wirft oder zum Wertstoffhof beziehungsweise zu einer Kompostierungsanlage bringt. Auf diese Art kann neue Erde oder  Energie durch Biogas gewonnen werden. Wer neue Erde direkt zuhause gewinnen möchte, kann sich einen Kompostierungseimer „Bokashi“ aus Japan besorgen oder selbst basteln. Dieser verarbeitet Bioabfälle nicht nur zu fruchtbarer Erde, sondern liefert auch eine enorm nährstoffreiche FlĂĽssigkeit, die als Bio-DĂĽnger verwendet werden kann.

Wer jetzt interessiert ist und sich mit mir und viele anderen direkt der MĂĽll-Challenge stellen möchte oder auch wer erstmal mehr darĂĽber erfahren möchte, findet hier aufgelistet Anlaufstellen in Bremen sowie Informationsportale und Blogs. 
Zero-Waste Anlaufstellen in Bremen

Füllkorn – unverpackt & bio

KornstraĂźe 12
28201 Bremen

https://www.fĂĽllkorn.de/

selfair

Vor dem Steintor 189
28203 Bremen

www.selfair.de

Milchtankstellen

http://www.milchtankstellen.com/cms/front_content.php

Umsonstladen

umsonstladenbremen.blogsport.de

KlimaWerkStadt

https://klimawerkstadt-bremen.de/

 

Weitere Informationen zum Thema

Eine Auswahl deutschsprachiger Blogs:

Zwei der bekanntesten internationalen Blogs:

 Und eine Ăśbersicht ĂĽber Unverpacktläden und Möglichkeiten unverpackt einzukaufen:

 Wer lieber in BĂĽchern stöbert hier ein paar gute BĂĽcher fĂĽr den Einstieg:

  • Shia Su- Zero Waste, weniger MĂĽll ist das neue grĂĽn
  • Anneliese Bunk & Nadine Schubert- Besser leben ohne Plastik
  • Smarticular – Selber machen statt kaufen: Haut und Haar + KĂĽche
  • Smarticular – FĂĽnf Hausmittel ersetzen eine Drogerie
  • Bea Johnson- Zero Waste Home, glĂĽcklich leben ohne MĂĽll

[Quelle der Liste: KlimaWerkStadt]

 

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Städtischer Gartenbau – “Urban Gardening” in Bremen

Gastbeitrag von Isabel Matthias, Studentin der Integrierten Europastudien

Wer hat sie noch nicht bemerkt, die Hochbeete und Pflanzgefäße aller Art, die an immer mehr öffentlichen Plätzen und Gärten auftauchen. Ein urban_gardening_pixabaybesonderes Beispiel ist sicherlich der von Anwohnenden organisierte Garten auf dem Lucie-Flechtmann-Platz in der Bremer Neustadt, der inzwischen entsiegelt und offiziell in einen urbanen Garten umstrukturiert wurde. Aber auch auf dem Hanseatenhof finden sich Hochbeete mit verschiedensten Pflanzen – von Erdbeeren über Erbsen bis Tomaten. Bei gutem Wetter verbringt ecolo auch mal die Mittagspause dort. Aufmerksame Spazierende können Zucchini und Mangold im Blumenbeet an der Mühle am Wall entdecken. Der Trend des Urban Gardening ist im öffentlichen Leben angekommen. Auch ich wurde von der Idee angesteckt. Nach meinem Umzug aus einer großen WG mit Gemüsegarten und Gewächshaus in eine Wohnung mit Balkon fehlte doch erstmal irgendwas. Aber das urbane Gärtnern kennt keine Grenzen – so steht mein Balkon jetzt voll mit Tomatenpflanzen, in den Kästen wachsen Kräuter, Kohlrabi und Blumen für Bienen und eine Zucchini rankt in einem Topf. Ein grüner und durch Blumen sogar bunter Balkon ist schön anzusehen und duftet. Im zweiten Stock ist es auf einmal lebendig, denn Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten halten Einzug. Und schließlich ernte ich natürlich eine Menge leckerer Früchte, Kräuter und Gemüse. Im Mai waren zum Beispiel selbst gezogene Radieschen Standardbestandteil meines Mittagessens bei ecolo.

Urban Gardening – was ist das?

urban_gardening2_pixabayWas genau ist denn das städtische Gärtnern eigentlich? Der urbane Gartenbau fußt auf drei Grundideen: Es soll gemeinsam gegärtnert, also etwas geschaffen werden. Hierdurch kommen Menschen in Städten in Kontakt, Netzwerke können entstehen und es wird gemeinsam etwas erarbeitet. Weiter soll der bewusste Konsum gestärkt und das Stadtbild verschönert werden. Produktionsketten sind im globalen Kontext häufig sehr lang und benachteiligen oft diejenigen, die die Lebensmittel tatsächlich anbauen. Durch eigenen Anbau wird das Bewusstsein gestärkt und ein Umdenken hin zu regionalen und saisonalen Lebensmitteln gefördert. Ich selbst würde nicht auf die Idee kommen meine eigenen Gemüsepflanzen mit Pestiziden zu behandeln – ich will die Tomaten ja einfach pflücken und bedenkenlos essen können. Auch Umstrukturierung im öffentlichen Bereich, besonders im Kontext der Flächenversiegelung spielt eine Rolle. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Der Lucie-Flechtmann-Platz war ein grauer und komplett versiegelter Platz, der lediglich von einigen Besuchenden des Kiosks genutzt wurde. Dabei liegen ein Kindergarten und ein Seniorenheim in direkter Nähe. Durch das Engagement von Anwohnenden und den genannten Einrichtungen wurde der Platz grün und belebt. Die hierfür genutzten Flächen werden nachhaltig und umweltschonend bewirtschaftet. Auch die Wertschätzung der Erträge spielt eine große Rolle. Alternative und ökologische Konzepte der Landwirtschaft sind sehr präsent. Gerade die Permakultur ist hier zu nennen. In meiner alten Wohngemeinschaft haben wir nach permakulturellem Vorbild eine Kräuterspirale angelegt. Eine spiralförmige, sich nach oben hin windende Schnecke quasi. Gefüllt wird das Ganze mit verschiedenen Schichten und Mischungen von Erde, Sand, Kalk und Humus. Am Fuß wird ein kleiner Teich in den Boden gelassen, der durch ein Stück Jute oder Wurzelgeflecht mit der Erde verbunden ist. Es entsteht ein unabhängiges Ökosystem, in dem Pflanzen mit verschiedensten Ansprüchen ihren Platz finden. Es hat Spaß gemacht die Spirale zu bauen und es ist ein tolles Beispiel für Permakultur und alternativen Gartenbau.

Was passiert in Bremen dazu?

Was das urbane Gärtnern betrifft, ist in Bremen eine Menge los. Daher sei bereits an dieser Stelle erwähnt, dass die folgenden Projekte nur Beispiele fĂĽr eine bunte Vielzahl urbaner Gartenaktivitäten in Bremen sind: 

Ein mehrfach erwähntes Beispiel ist die „Lucie“. Genauer: „Ab geht die Lucie“, der Gemeinschaftsgarten in der Neustadt auf dem Lucie-Flechtmann Platz. Dieser entstand durch das Engagement motivierter Anwohner*innen und wurde inzwischen von der Stadt entsiegelt.

http://ab-geht-die-lucie.blogspot.com/

Auf dem Dach der VHS ist viel los – denn dort wird „Rooftop Gardening“ betrieben, und das in ziemlich großem Stil. Dies wird als Basis für Kurse genutzt, beispielsweise zum Kochen aber auch um das Gärtnern selbst zu erlernen.

https://www.vhs-bremen.de/Live/VHS_Dachgarten_FS18.vhs

In der Überseestadt sowie am Industriehafen findet man die Gemüsewerft. Hierbei handelt es sich um einen Zweckbetrieb einer gemeinnützigen Gesellschaft für integrative Beschäftigung mbH. Menschen, die aufgrund von Erkrankungen oder Behinderungen nicht erwerbstätig sind oder sein können, können hier einer arbeitsmarktnahen Beschäftigung nachgehen und so soziale Teilhabe erfahren.

http://www.gib-bremen.info/urban_gardening_farming_gemuesewerft.php

In der Waller Feldmark findet sich ein 2300m² großes Areal, das nun als Kleingarten genutzt wird, von Menschen die Lust auf eigenen Gemüseanbau und interkulturelle Begegnungen haben, denn hier befindet sich der Internationale Garten Walle.

http://www.internationaler-garten-walle.de/garten.html

Auch in Tenever findet sich ein Projekt des städtischen Gartenbaus. Das Grabeland direkt hinter den Siedlungen bietet zahlreichen Bewohner*innen den Raum, sich in der Natur zu verwirklichen. Es gibt hierbei keine Rahmenbedingungen oder Regeln, abgesehen von Grundsätzen der Höflichkeit, sodass alle Teilnehmenden eigenverantwortlich auf ihren Parzellen arbeiten können.

https://anstiftung.de/urbane-gaerten?catid=0&id=84

Die Stadt listet hier [https://www.bremen.de/rss/17004] ergänzend diverse spannende Garten-Blogs und Projekte.

Wurde euer Interesse geweckt?

Vielleicht überkommt auch euch die Lust nun den Balkon zu begrünen, euch an einem Projekt zu beteiligen oder direkt eine eigene Parzelle zu bewirtschaften – ich bin auf jeden Fall motivierter denn je. Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit von globalen Nahrungsmittelkonzernen sind reizvoll und es ist einfach schön draußen zu sein und zu sehen wie die eigene Arbeit buchstäblich Früchte trägt!

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Kalte Füße bei 34 Grad – ecolo trotzt der Hitzewelle

Gastbeitrag von Isabel Matthias, Studentin der Integrierten Europastudien

In den Büroräumen von ecolo waren heute zeitweise über 32° Celsius. Das ist ganz schön warm und auch ziemlich anstrengend. Niemand möchte sich mehr bewegen und der Kopf arbeitet deutlich verlangsamt. Nach verregnetem Sommer im letzten Jahr erfahren wir jetzt deutlich, was Hitzewellen und Trockenperioden tatsächlich bedeuten. In einigen Gemeinden wird zum Wassersparen aufgerufen, die Natur vertrocknet und lechzt nach Regen und wir Menschen schwitzen.

Der Klimawandel wird in wenigen Jahrzehnten dazu führen, dass sich das Klima in Deutschland eher mediterranen Verhältnissen anpassen wird – was in diesem Jahr noch ungewöhnlich ist, könnte künftig eher die Norm sein. Das birgt Anpassungsbedarf. Vorsorgemaßnahmen müssen getroffen werden und Landwirtschaft, Stadtplanung wie überhaupt alle gesellschaftlichen Bereiche müssen sich darauf einstellen. Doch das ist die langfristige Perspektive. Hitze stellt bereits dieser Tage ein reelles Risiko für die Gesundheit dar, daher sollten auf jeden Fall Maßnahmen zur Prävention ergriffen werden.

Was können wir kurzfristig tun, um unser Wohlbefinden und auch unsere Gesundheit zu schützen?

Am Arbeitsplatz sollte ausreichend Wasser zur VerfĂĽgung stehen. Wichtig ist jetzt viel trinken! Das bedeutet konkret: Minimum 1,5 Liter FlĂĽssigkeit am Tag, besser mehr.

FĂĽĂźe kĂĽhlen bei 34 Grad

FĂĽĂźe kĂĽhlen bei 34 Grad!

Hier im Büro hat jeder seine Wasserflasche auf dem Tisch stehen, der Wasserkistenvorrat wurde aufgefüllt. Außerdem liegt für alle Eis im Eisfach des Kühlschranks – das ist erfrischend! Die Energieeffizienz von Ventilatoren kann in Frage gestellt werden, dennoch stehen auch bei ecolo zwei Exemplare, um wenigstens geringfügige Luftzirkulation zu erzeugen. Insbesondere die Südseite des Büros verdunkeln wir schon früh am Tag, um starke Sonneneinstrahlung zu verhindern.

Die beste Idee, die uns jedoch kam, ist der alt bewährte Wassereimer. Nicht grundlos gibt es Barfußpfade und Kneippbecken. Unter den Schreibtischen bei ecolo stehen Eimer mit kaltem Wasser, in die die Füße gestellt werden können. Was vielleicht unkonventionell klingen mag, ist angenehm und gut für die Gesundheit. Das Blut wird partiell abgekühlt und bringt so den Kreislauf in Schwung. Natürlich versuchen wir auch die Büroräume durch Stoßlüften am frühen Morgen abzukühlen. Eine weitere Möglichkeit ist es, feuchte Tücher vor offene Fenster zu spannen und Handgelenke sowie Schläfen und Stirn hin und wieder mit kaltem Wasser zu erfrischen.

Kommen Sie mit Hilfe dieser Tipps gut durch den Tag und kühlen sich anschließend im Freibad oder am Badesee ab oder bei einem Kaltgetränk auf der Breminale!

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Kommunikation mal anders: Sprechen mit den Händen

Gastbeitrag von Carolin Scheil, Studentin Sustainability Management

Wir setzen Kommunikation meist mit Lautsprache gleich – wir erzählen laut, hören dem Anderen zu und sprechen eine Antwort aus. Wie aber verläuft Kommunikation, wenn man keine Wörter ausspricht und auch nicht hört, was der andere sagt? Das habe ich mich schon länger gefragt und besuche deswegen in diesen Semesterferien einen Sprachkurs in Deutscher Gebärdensprache, den die Uni Oldenburg anbietet.

In Deutschland leben etwa 800.000 taube Menschen, die in der Gebärdensprache miteinander kommunizieren. Jedes Land besitzt eine eigene Gebärdensprache und innerhalb eines Landes herrschen sogar regionale Dialekte. In Deutschland spricht man die Deutsche Gebärdensprache  – sie ist allerdings kein „gebärdetes Deutsch“, sondern eine eigenständige und vollwertige Sprache mit eigener Grammatik, wie unsere Kursleiterin uns erklärte. Die Gebärdensprache ist eine visuelle Sprache, in der man neben Handzeichen auch Mimik und Körperhaltung einsetzt. So können auch abstrakte Sachverhalte dargestellt werden und dies in etwa gleicher Zeit wie in der Lautsprache.

Das heißt Bremen in Gebärdensprache

Das heißt Bremen in Gebärdensprache

Viele Gebärden versteht man intuitiv, wie die Gebärden für essen und schlafen. Ich habe gelernt, dass Gebärden oft über einen geschichtlichen Hintergrund verfügen: Die Gebärde für „Deutschland“ beispielweise – ein ausgestreckter Zeigefinger gen Himmel an der Stirn – erinnert an die Pickelhaube aus dem vorletzten Jahrhundert. Auch werden Gebärden aus Charakteristika abgeleitet: Der Buchstaben “L“ aus Daumen und Zeigefinger geformt und an das Kinn gehalten, symbolisiert „Bremen“. Das „L“ steht für „langgestreckt“, weil die Stadt länglich aufgebaut ist.

Das Gebärden macht mir sehr viel Spaß und ich freue mich, dass man schnelle Lernerfolge erzielen und schon nach wenigen Kursstunden relativ viel über Gebärden erzählen kann. Besonders gefällt mir, dass man seinen Körper und seine Mimik einsetzt, was Kommunikation sehr persönlich macht. Spannend finde ich es auch, zu erfahren, wie taube Menschen ihren Alltag gestalten. Gegenstände wie Türklingel, Wecker und Babyphone, die über Ton funktionieren, können für gehörlose Menschen umgestaltet werden, sodass sie über Lichtreflexe funktionieren.

Unsere Kursleiterin empfahl uns, den geläufigen Begriff „taubstumm“  besser zu vermeiden. Denn viele taube Menschen sind gar nicht stumm, sondern besitzen die Fähigkeit, zu sprechen. Weil ihnen jedoch die RĂĽckkopplung ĂĽber das Ohr fehlt, hören sich die ausgestoĂźenen Laute oft  „unsauber“ an. Das wissen viele gehörlose Menschen und bevorzugen es daher, zu schweigen. Menschen, die nicht hören können, nennt man also besser „taub“ oder „gehörlos“.

Ich habe gelernt, dass Menschen ohne Gehör nicht behindert oder beeinträchtigt sind – sie sprechen einfach nur eine andere Sprache. Sich näher mit dieser Sprache zu beschäftigen, kann ich nur empfehlen, denn sie ist in meinen Augen die vermutlich bildhafteste, lebendigste und ausdrucksstärkste Sprache überhaupt.

Viele Volkshochschulen und Universitäten bieten Anfängerkurse in Deutscher Gebärdensprache an. Mehr Informationen zum Thema bietet der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. auf seiner Webseite.

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Was bleibt von „2050 – Dein Klimamarkt“ ?

Supaermarkt aus Pappe

Supermarkt aus Pappe

Gastbeitrag von Carolin Scheil, Studentin Sustainability Management

Am Dienstag lud die Klimaschutzagentur energiekonsens zur Abschlussveranstaltung von „2050 – Dein Klimamarkt“ in die Hochschule Bremen ein. Man wollte Bilanz ziehen und ĂĽber kreative Ansätze der Nachhaltigkeitskommunikation diskutieren. Die Idee des Klimamarkts stellten Björn Voigt von der „Gruppe fĂĽr Gestaltung“ und Janina Schultze von energiekonsens vor: Das Projekt „2050 – Dein Klimamarkt“ startete 2012 als innovatives Umweltkommunikationskonzept – ein Pop-Up-Laden, indem BĂĽrgerinnen und BĂĽrger klimafreundlich alltägliche Produkte „einkaufen“ und an der Kasse auf ihrem Einkaufsbon ihre CO2-Einsparungen erfahren konnten. So erhielten die Einkäufer praktische Tipps, wie sie in Zukunft klimaschonender konsumieren können. ecolo unterstĂĽtzte energiekonsens bei der Entwicklung des Kommunikationskonzepts und in der Ă–ffentlichkeitsarbeit.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt gingen 15.000 Menschen im Klimamarkt „einkaufen“, dazu gehörten neben Privatpersonen auch Gruppen von Sportvereinen, Schulklassen und Lokalpolitikern. Der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Klimamarkt tourte durch viele Bremer Stadtteile und wurde in leerstehenden Geschäften aufgebaut. Zusätzliche Veranstaltungen wie Repair-Cafés und Nähkurse lockten das Publikum, auch Shopping-Guides für einzelne Bremer Viertel wurden erstellt. Referentin Dr. Melanie Jaeger-Erben vom Institut für Sozialinnovation e. V. präsentierte neue Formen des Konsums wie Car-Sharing und Urban Gardening und stellte Wege vor, wie diese gefördert und verstetigt werden können. Sie betonte, dass Innovationen stets einen sozialen Aspekt aufweisen – wie auch der Klimamarkt, der erlebnisorientiert und partizipativ aufgebaut ist.

Auch besticht der Klimamarkt durch sein einzigartiges Design: „Klimaschutz zum Anfassen“ und „Klimaschutz to go“ waren laut Björn Voigt das Ziel der Gestaltung – alle Produkte des Klimamarkts bestehen aus auffälliger und bunt bedruckter Pappe. Projektleiterin Janina Schultze betonte, dass das Schaffen eines positiven Erlebnisses und eines Aha-Effekts das Ziel gewesen sei: „Kleine Entscheidungen, dennoch große Effekte!“ Sogar „Stammkunden“ bildeten sich, die mehrere Male mit Bekannten in den Klimamarkt zurückkehrten, um ihnen den Supermarkt aus Pappe zu zeigen. Der bunte Pop-Up-Laden wanderte nicht nur durch Bremen, sondern auch durch Niedersachsen, wo das spielerische Konzept ebenfalls gut ankam: In der Gemeinde Wallenhorst besuchten vor allem Schulklassen den Klimamarkt, berichtete der lokale Klimaschutzmanager Stefan Sprenger und zeigte sich begeistert vom Interesse und Engagement der Kinder. Aktuell öffnet der Klimamarkt seine Türen in Berseburg, bereits im März wird er in Rheinland-Pfalz aufgebaut werden.

Letztlich stellte Randy Haubner vom Bremer Informationszentrum fĂĽr Menschenrechte und Entwicklung ein neues Online-Portal vor: Auf der Webseite „Konsum mit Köpfchen“ können sich Bremerinnen und Bremer nun rund um das Thema nachhaltiger Konsum informieren. Das Portal veröffentlicht Tipps und Termine – beispielsweise dazu, wo in Bremen fair gehandelte Produkte verkauft werden und wann die nächste Kleidertauschparty stattfindet. Hervorgegangen ist dies Idee aus einer Kooperation mit dem Klimamarkt.

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