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Kommunikation mal anders: Sprechen mit den Händen

Wir setzen Kommunikation meist mit Lautsprache gleich – wir erzählen laut, hören dem Anderen zu und sprechen eine Antwort aus. Wie aber verläuft Kommunikation, wenn man keine Wörter ausspricht und auch nicht hört, was der andere sagt? Das habe ich mich schon länger gefragt und besuche deswegen in diesen Semesterferien einen Sprachkurs in Deutscher Gebärdensprache, den die Uni Oldenburg anbietet.

In Deutschland leben etwa 800.000 taube Menschen, die in der Gebärdensprache miteinander kommunizieren. Jedes Land besitzt eine eigene Gebärdensprache und innerhalb eines Landes herrschen sogar regionale Dialekte. In Deutschland spricht man die Deutsche Gebärdensprache  – sie ist allerdings kein „gebärdetes Deutsch“, sondern eine eigenständige und vollwertige Sprache mit eigener Grammatik, wie unsere Kursleiterin uns erklärte. Die Gebärdensprache ist eine visuelle Sprache, in der man neben Handzeichen auch Mimik und Körperhaltung einsetzt. So können auch abstrakte Sachverhalte dargestellt werden und dies in etwa gleicher Zeit wie in der Lautsprache.

Das heißt Bremen in Gebärdensprache

Das heißt Bremen in Gebärdensprache

Viele Gebärden versteht man intuitiv, wie die Gebärden für essen und schlafen. Ich habe gelernt, dass Gebärden oft über einen geschichtlichen Hintergrund verfügen: Die Gebärde für „Deutschland“ beispielweise – ein ausgestreckter Zeigefinger gen Himmel an der Stirn – erinnert an die Pickelhaube aus dem vorletzten Jahrhundert. Auch werden Gebärden aus Charakteristika abgeleitet: Der Buchstaben “L“ aus Daumen und Zeigefinger geformt und an das Kinn gehalten, symbolisiert „Bremen“. Das „L“ steht für „langgestreckt“, weil die Stadt länglich aufgebaut ist.

Das Gebärden macht mir sehr viel Spaß und ich freue mich, dass man schnelle Lernerfolge erzielen und schon nach wenigen Kursstunden relativ viel über Gebärden erzählen kann. Besonders gefällt mir, dass man seinen Körper und seine Mimik einsetzt, was Kommunikation sehr persönlich macht. Spannend finde ich es auch, zu erfahren, wie taube Menschen ihren Alltag gestalten. Gegenstände wie Türklingel, Wecker und Babyphone, die über Ton funktionieren, können für gehörlose Menschen umgestaltet werden, sodass sie über Lichtreflexe funktionieren.

Unsere Kursleiterin empfahl uns, den geläufigen Begriff „taubstumm“  besser zu vermeiden. Denn viele taube Menschen sind gar nicht stumm, sondern besitzen die Fähigkeit, zu sprechen. Weil ihnen jedoch die Rückkopplung über das Ohr fehlt, hören sich die ausgestoßenen Laute oft  „unsauber“ an. Das wissen viele gehörlose Menschen und bevorzugen es daher, zu schweigen. Menschen, die nicht hören können, nennt man also besser „taub“ oder „gehörlos“.

Ich habe gelernt, dass Menschen ohne Gehör nicht behindert oder beeinträchtigt sind – sie sprechen einfach nur eine andere Sprache. Sich näher mit dieser Sprache zu beschäftigen, kann ich nur empfehlen, denn sie ist in meinen Augen die vermutlich bildhafteste, lebendigste und ausdrucksstärkste Sprache überhaupt.

Viele Volkshochschulen und Universitäten bieten Anfängerkurse in Deutscher Gebärdensprache an. Mehr Informationen zum Thema bietet der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. auf seiner Webseite.

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Idomeni: ecolo hilft mit morethanshelters

Eine E-Mail von Daniel Kerber, GeschäftsfĂĽhrer von morethanshelters, mit dem Hilferuf, seine Organisation in Idomeni zu unterstĂĽtzen, erreichte ecolo diese Woche: „Babys kommen im Schlamm zur Welt, Krankheiten und Seuchen verbreiten sich – sind wir eigentlich noch in Europa? Diese unglaublichen, schockierenden und traurigen Bilder aus Idomeni in Griechenland gehen seit vielen Tagen durch die Medien und sozialen Netzwerke. Mazedonien hat die Grenzen geschlossen und nun sitzen rund 15.000 GeflĂĽchtete in Idomeni fest. Täglich kommen mehr. Die GeflĂĽchteten in Idomeni brauchen unsere UnterstĂĽtzung. Mit dem DOMO-Zelt möchten wir Schutzräume zum Stillen und fĂĽr ärztliche Versorgung in Idomeni ermöglichen und begleiten.“

Wir Kolleginnen und Kollegen zögerten nicht, angesichts der unmenschlichen Zustände im Flüchtlingscamp, für sein Vorhaben zu spenden. ecolo-Geschäftsführer Manfred und Andreas verdoppelten unseren Betrag noch. Wir kennen Daniel Kerber und morethanshelters seit 2013, als seine DOMO-Idee im IPP-Wettbewerb Hamburg in der Kategorie „Idee“ gewann. DOMO ist eine mobile Notunterkunft, die komplett aus umweltverträglichen Materialien hergestellt wird, einfach auf- und abgebaut oder erweitert werden kann. Ressourcen aus der Einsatzregion können integriert und alle Teile des DOMOs weiter verwendet werden, sodass kein Abfall anfällt, wenn die Unterkünfte nicht mehr gebraucht werden. Die DOMOs stehen derzeit auch in Hamburg und kommen seit 2014 in einem syrischen Flüchtlingscamp in Jordanien zum Einsatz.

Wir hoffen, dass mit den DOMOs die Not in Idomeni etwas gelindert werden kann und wünschen morethanshelters noch viele weitere Unterstützer. Übrigens wird jedes DOMO, das wir hier gemeinsam durch Spenden ermöglichen, auch von der Hans-Sauer-Stiftung verdoppelt!

 

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Was bleibt von „2050 – Dein Klimamarkt“ ?

Supaermarkt aus Pappe

Supermarkt aus Pappe

Am Dienstag lud die Klimaschutzagentur energiekonsens zur Abschlussveranstaltung von „2050 – Dein Klimamarkt“ in die Hochschule Bremen ein. Man wollte Bilanz ziehen und ĂĽber kreative Ansätze der Nachhaltigkeitskommunikation diskutieren. Die Idee des Klimamarkts stellten Björn Voigt von der „Gruppe fĂĽr Gestaltung“ und Janina Schultze von energiekonsens vor: Das Projekt „2050 – Dein Klimamarkt“ startete 2012 als innovatives Umweltkommunikationskonzept – ein Pop-Up-Laden, indem BĂĽrgerinnen und BĂĽrger klimafreundlich alltägliche Produkte „einkaufen“ und an der Kasse auf ihrem Einkaufsbon ihre CO2-Einsparungen erfahren konnten. So erhielten die Einkäufer praktische Tipps, wie sie in Zukunft klimaschonender konsumieren können. ecolo unterstĂĽtzte energiekonsens bei der Entwicklung des Kommunikationskonzepts und in der Ă–ffentlichkeitsarbeit.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt gingen 15.000 Menschen im Klimamarkt „einkaufen“, dazu gehörten neben Privatpersonen auch Gruppen von Sportvereinen, Schulklassen und Lokalpolitikern. Der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Klimamarkt tourte durch viele Bremer Stadtteile und wurde in leerstehenden Geschäften aufgebaut. Zusätzliche Veranstaltungen wie Repair-Cafés und Nähkurse lockten das Publikum, auch Shopping-Guides für einzelne Bremer Viertel wurden erstellt. Referentin Dr. Melanie Jaeger-Erben vom Institut für Sozialinnovation e. V. präsentierte neue Formen des Konsums wie Car-Sharing und Urban Gardening und stellte Wege vor, wie diese gefördert und verstetigt werden können. Sie betonte, dass Innovationen stets einen sozialen Aspekt aufweisen – wie auch der Klimamarkt, der erlebnisorientiert und partizipativ aufgebaut ist.

Auch besticht der Klimamarkt durch sein einzigartiges Design: „Klimaschutz zum Anfassen“ und „Klimaschutz to go“ waren laut Björn Voigt das Ziel der Gestaltung – alle Produkte des Klimamarkts bestehen aus auffälliger und bunt bedruckter Pappe. Projektleiterin Janina Schultze betonte, dass das Schaffen eines positiven Erlebnisses und eines Aha-Effekts das Ziel gewesen sei: „Kleine Entscheidungen, dennoch große Effekte!“ Sogar „Stammkunden“ bildeten sich, die mehrere Male mit Bekannten in den Klimamarkt zurückkehrten, um ihnen den Supermarkt aus Pappe zu zeigen. Der bunte Pop-Up-Laden wanderte nicht nur durch Bremen, sondern auch durch Niedersachsen, wo das spielerische Konzept ebenfalls gut ankam: In der Gemeinde Wallenhorst besuchten vor allem Schulklassen den Klimamarkt, berichtete der lokale Klimaschutzmanager Stefan Sprenger und zeigte sich begeistert vom Interesse und Engagement der Kinder. Aktuell öffnet der Klimamarkt seine Türen in Berseburg, bereits im März wird er in Rheinland-Pfalz aufgebaut werden.

Letztlich stellte Randy Haubner vom Bremer Informationszentrum fĂĽr Menschenrechte und Entwicklung ein neues Online-Portal vor: Auf der Webseite „Konsum mit Köpfchen“ können sich Bremerinnen und Bremer nun rund um das Thema nachhaltiger Konsum informieren. Das Portal veröffentlicht Tipps und Termine – beispielsweise dazu, wo in Bremen fair gehandelte Produkte verkauft werden und wann die nächste Kleidertauschparty stattfindet. Hervorgegangen ist dies Idee aus einer Kooperation mit dem Klimamarkt.

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Vulkanismus und der Einfluss auf den Klimawandel

Soputan war bereits 2015 mehrfach aktiv. Fotoquelle: DPA

Der Vulkan Soputan ist jĂĽngst in Indonesien ausgebrochen. Foto: dpa

Weltweit brechen bis zu 60 Vulkane jährlich aus. Aktuell gerade der 1784 Meter hohe Soputan auf der Insel Sulawesi im Osten des Inselstaates Indonesien. Der seit Monaten aktive Vulkan hat erneut eine Aschewolke in die Luft geschleudert, so dass die Vulkanbehörde die zweithöchste Alarmstufe verhängte. Dass Vulkanausbrüche zu den folgenschwersten Naturkatastrophen gehören und Mensch, Tier und Umwelt in große Gefahr bringen, ist allgemein bekannt. Aber haben diese Eruptionen auch einen Einfluss auf das Klima?

Tatsächlich können VulkanausbrĂĽche unser Klima beeinflussen – intensive Eruptionen können zu einer KĂĽhlung der Erde fĂĽhren. Unter den Gasen, die während der Eruption ausgestoĂźen werden, befinden sich unter anderem Schwefeldioxide. Wenn diese in die Stratosphäre gelangen, transformieren sie sich in einem chemischen Prozess in Aerosole. Diese Aerosole blocken die Sonneneinstrahlung zurĂĽck ins Weltall, so dass die Wärme nicht zu uns auf die Erde dringen kann. Die Stärke dieses Effekts ist allerdings begrenzt und die Wirkung verfliegt nach einigen Jahren. Der von uns Menschen verursachte Klimawandel kann durch diesen Effekt leider nicht ausgeglichen werden.

Die globale Erwärmung im Zuge des Klimawandels hat wahrscheinlich auch zur Folge, dass weltweit mehr Vulkane ausbrechen werden: Mit steigenden Temperaturen werden weltweit Gletscher schmelzen. So wird in Zukunft weniger Gewicht auf den kontinentalen, durch den angestiegenen Meeresspiegel hingegen eine höhere Last auf den ozeanischen Krusten liegen. Die Auswirkungen solcher Schwankungen tragen sich bis ins Erdinnere: Auch dort verschieben sich die Spannungen und Druckverhältnisse. So können mehr Wege entstehen, über die das Magma die Erdkruste durchbrechen kann.

Jedoch müssen wir uns in Deutschland noch keine allzu großen Sorgen machen: Zwar gibt es auch bei uns Vulkane (z. B. in der Eifel), jedoch „schlummern“ sie schon seit tausenden von Jahren. Laut Forschern gibt es bisher auch keine Anzeichen dafür, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern sollte.

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Wer bietet mehr? Paris und die Wirklichkeit!

Wenn möglich, soll ein Erwärmungslimit von deutlich unter 2° Grad erreicht werden – ohne Frage ein Erfolg von Paris und auch eine wichtige Zielmarke für die politischen Entscheidungen, die nun hoffentlich auch folgen werden. Von einer Dekarbonisierung der Gesellschaft bis 2050 ist nun die Rede und auch von 35 Unternehmen – unter ihnen solch wohlklingende Namen wie die Commerzbank, Aldi Süd oder Adidas – wurde eine Erklärung zum Klimaabkommen von Paris unterzeichnet, in dem genau dafür nun die richtigen Weichenstellungen von der Politik verlangt werden, aber auch die Bereitschaft der Unterzeichner, sich aktiv zu beteiligen. Und auch die Umweltverbände stimmen in dieses Einheitslob mit ein und sind sich mit marginalen Unterschieden darüber einig, dass Paris ein Erfolg ist.

Dennoch ist schon die heutige Realität weit davon entfernt, dieses Ziel auch nur annähernd zu erreichen. So liegt die Temperatur in der Arktis schon jetzt bei 2° Grad über dem durchschnittlichen Mittel von 1961-1990 und im Pazifik kommt für einige Inselstaaten Paris sowieso zu spät. Und auch die Wissenschaft ist sich eigentlich darüber einig, dass 1,5 oder 2,0 ° Grad zwar ein wichtiges Signal aber eben auch nur ein politisches ist.

Und noch etwas sollte allen klar sein: wer die Ergebnisse von Paris wirklich ernst nimmt, meint damit in der Umsetzung eine vollständige Abkehr vom wirtschaftlichen System, so wie wir es bisher kennen. Der Paradigmenwechsel von Wachstum auf Balance mit den natürlichen Prozessen erzwingt eine Verabschiedung vom Kapitalismus. Man kann gespannt sein, wer dafür bereit ist.

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