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Warum es uns so schwer fällt, unser Verhalten zu verändern

Gastbeitrag von Carolin Scheil, Studentin Sustainability Management

Umweltwissenschaftler, Politiker und manchmal auch Unternehmer – sie alle melden sich häufig zu Wort, wenn es um den Klimaschutz geht. Aber was sagen eigentlich die Neurowissenschaftler zu diesem Thema? Kürzlich durfte ich auf einer Veranstaltung einem Vortrag des Hirnforschers Prof. Dr. Dr. Roth lauschen, in dem er seine Erkenntnisse zum Klimaschutz preisgab:

Gerhard Roth, Professor für Hirnforschung an der Universität Bremen

Gerhard Roth, Professor für Hirnforschung an der Universität Bremen

„Fast 100 Prozent aller Menschen sind laut Umfragen von der Bedeutsamkeit des Klimaschutzes überzeugt – doch kaum jemand ändert wirklich sein Verhalten!“, wundert sich der Verhaltensphysiologe. Woran liegt es also, dass so gut wie jeder Einzelne weiß, wie wichtig es ist, das Klima zu schützen – und dennoch jeden Morgen ins Auto steigt und sorglos zuhause das Licht brennen lässt? Dieser Frage geht Prof. Dr. Dr. Roth, tätig am Institut für Hirnforschung an der Uni Bremen, auf den Grund.

Er erklärt: „Die meisten Dinge, die wir tun, tun wir aus emotionalen Gründen und ganz intuitiv! Da spielt die pure Vernunft gar keine Rolle.“ Informationen müssten kognitiv und emotional aufbereitet sein, um Menschen wirklich zu erreichen. Sofort müsse jeder Einzelne erkennen: „Da geht es ja um mich! Um meine Probleme und mein individuelles Verhalten!“ Laut Roth führt Einsicht nur zu einer Verhaltensänderung, wenn sich Menschen von dieser einen unbewussten Vorteil versprechen. Erschwerend komme der Aspekt des „Beharrungsvermögens“ dazu – Menschen, so Roth, haben ihre Gewohnheiten und pflegen diese auch gern. Der Hirnforscher legt auch dar, wieso: „Unser Gehirn belohnt uns, wenn wir unseren Gepflogenheiten nachgehen.“ Die Belohnung, die sich jeder Einzelne von einer Verhaltensänderung verspricht, müsse also größer sein als die Honorierung des Gehirns für die Pflege von Gewohnheiten.

Gerade deswegen müssten Anreize für Klimaschutz geschaffen werden – materieller, sozialer oder intrinsischer Art. Materielle und soziale Anreize (beispielsweise Geld und Status) können seiner Meinung nach jedoch nicht zu einer langfristigen Verhaltensänderung beitragen. Diese erreiche man nur, wenn aus intrinsischen Motiven gehandelt wird – wenn man überzeugt von der Sache selbst und ihrer Bedeutsamkeit ist. Auch betont der Hirnforscher, dass Appelle zu klimaschützenden Maßnahmen nicht moralisierend, zu abstrakt oder zu technisch formuliert werden dürfen.

Ob die bei der Veranstaltung anwesenden Gäste diese Erkenntnisse künftig berücksichtigen werden, ist ungewiss – mir persönlich werden sie sicher allerspätestens am nächsten Neujahrstag helfen, wenn ich mir wieder vornehme, endlich die lästigen Gewohnheiten abzulegen!

Buchcover Gerhard Roth

Wer dieses Thema auch so spannend findet, kann in Prof. Dr. Dr. Roths Buch „Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten: Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern“ weiterlesen, dessen 2. Auflage in diesem Jahr im Verlag Klett-Cotta erscheint.

 

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