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Aus Alt mach Neu: der Glocksee Waste Award 2016

Glocksee Waste Award 2016

Die drei Upcycling-Spezialistinnen Sarah Schelle, Jamie-Lee Czaya und Jolande Meyer von der Hochschule Hannover

Anlässlich der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (19. bis 27. November 2016) verliehen der Verein Glocksee Bauhaus, die Upcyclingbörse und die Bauteilbörse Hannover in der letzten Woche zum ersten Mal den „Glocksee Waste Award“.

Werkstätten, Designer und Bildungseinrichtungen waren aufgerufen, auf den ersten Blick wertlos erscheinende Verbund- und Verpackungsstoffe und Glasbausteine auf kreative Weise zu recyceln und fĂĽr sie neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Mit der Vergabe des „Nutzungsinnovationspreis“ möchten die Ausrichter dazu inspirieren, vermeintlichen MĂĽll wieder- und weiterzuverwenden. So wird ĂĽberflĂĽssiger Abfall vermieden und Ressourcen und Umwelt geschont.

Zur feierlichen Preisverleihung am 23. November in Hannover erschienen rund 60 Besucherinnen und Besucher. Ăśber den ersten Platz und ein Preisgeld von 500 Euro freute sich das Projektteam „Picknickdecke 2.0“ der Hochschule Hannover: Sarah Schelle, Jamie-Lee Czaya und Jolande Meyer ĂĽberzeugten die Jury mit ihrem Entwurf einer robusten und wasserfesten Picknickdecke, die sie aus Tetra Paks herstellten. Die Jury lobte die gelungene Ă„sthetik, die handwerklich saubere Realisierung und die vielseitige Einsetzbarkeit des Produkts. Insgesamt beurteilte die Jury elf Ideen, darunter auch eine Regenjacke aus Tetra Paks und eine Vase aus einem Glasbaustein. Alle eingereichten Wettbewerbsbeiträge sind noch bis Jahresende im Freizeitheim Linden in Hannover ausgestellt. Online können sie in einer virtuellen Ausstellung bewundert werden.

ecolo ist seit mehreren Jahren im Bereich der Bauteilwiederverwertung aktiv und unterstĂĽtzt das Netzwerk bauteilnetz Deutschland in allen Belangen der Kommunikation. Den Wettbewerb um den „Glocksee Waste Award“ förderte ecolo als Spender. Auch an der Woche der europäischen Abfallvermeidung beteiligte sich ecolo: Unsere Praktikantin Sophie Eggert setzte sich mit verpackungsfreiem Einkauf in Oldenburg auseinander und erstellte ihren eigenen Online-Wegweiser zu dem Thema.

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Literaturtipp: Bauteile wiederverwenden

Handbuch fĂĽr die Praxis

Handbuch fĂĽr die Praxis

Jedes Jahr werden mehr als eine halbe Milliarde Rohstoffe im Bausektor eingesetzt, Tendenz steigend. Über 50 Milliarden Tonnen sind bereits in Gebäuden und Bauwerken verbaut. Die Wiedergewinnung dieser wertvollen Materialien hört sich zwar mit einer Recyclingquote von 82 Prozent sehr gut an, ist aber bei genauer Betrachtung zum allergrößten Teil ein schlichtes Schreddern für den niedrigwertigeren Einsatz.

Mit der Veröffentlichung des Buches Bauteile wiederverwenden – Werte entdecken hat die Herausgeberin Ute Dechantsreiter facetten- und kenntnisreich die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojektes praxisnah aufbereitet. Die Architektin und Altbauexpertin beschäftigt sich mit der Bestandsbewahrung und der nachhaltigen Sanierung von Gebäuden und setzt sich fĂĽr den bewussteren Umgang mit Gebäuden und der Wiederverwendung von Bauteilen ein. Sie ist MitbegrĂĽnderin der 2001 in Bremen eröffneten ersten Bauteilbörse Deutschlands sowie Initiatorin und geschäftsfĂĽhrender Vorstand des bundesweiten Netzwerkes „Bundesverband bauteilnetz Deutschland e.V.“

Andreas Lieberum, zuständig für die Kommunikationsberatung und Öffentlichkeitsarbeit im von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojekt, verfasste den Einleitungstext und einen Artikel im Handbuch für die Praxis. Wer also wissen möchte, was alles möglich ist, wenn Bauherren, Abbruchunternehmen und Bauteilbörsen zusammen mit den kommunalen Einrichtungen Hand in Hand zusammen arbeiten, dem sei dies beim oekom Verlag erschiene Buch sehr ans Herz gelegt (ISBN 978-3-86581-786-0).

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Praxis Bau: So geht Kreislaufwirtschaft!

Fast 40 Gäste aus ganz Deutschland kamen zum Abschluss des Projekts „Entwicklung zukunftsfähiger Instrumente zum bewussteren Umgang mit gebrauchten Bauteilen“ am Dienstag, den 7. Juli, zusammen. Die Konferenz fand in den Räumen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück statt, die das Projekt vier Jahre lang förderte und mit der Projektleiterin Frau Exner immer eine treibende Kraft als Ansprechpartnerin hatte. Auch ecolo begleitet das Projekt bereits seit Jahren, berät und organisiert Veranstaltungen, wie auch diese Abschlusskonferenz.

Projektleiter aus Gronau, Luckenwalde, Saarbrücken und Aachen präsentierten ihre Rückbauprogramme und zeigten Bauwerke, die sie (fast) ausschließlich mit gebrauchten Bauteilen umsetzten. Ute Dechantsreiter, Vorstand des Bundesverbands bauteilnetz Deutschland e.V., fasste die Fortschritte der letzten Jahre zusammen und gab einen Ausblick darüber, welche Herausforderungen in der Zukunft noch zu meistern sind.

Die Wiederverwendung von Bauteilen hat viele Vorteile: Der sparsame Umgang mit Ressourcen wird gefördert und regt so eine nachhaltigere Arbeitsweise in der Baubranche an. Zudem entstehen durch die Gründung regionaler Bauteilbörsen neue Arbeitsplätze. Durch die Wiederverwendung alter Bauteile kann sogenannte Graue Energie – die Menge an Energie, die für ein Produkt von der Herstellung bis zur Entsorgung benötigt wird – eingespart werden. So wird weniger CO2 emittiert und das Klima geschützt. Außerdem werden Abfälle und so auch teure Entsorgungskosten vermieden.

„Der Abfall von gestern ist der Rohstoff von morgen!“, bekräftigte auch Anja Zens, Projektleiterin des Counter Entropy House. Sie präsentierte das mit Studenten der RWTH Aachen entworfene und realisierte 46m² umfassende Haus, das aus gebrauchten Bauteilen und sog. Sekundärrohstoffen besteht und ausschließlich über Solarenergie versorgt werden kann.

Bauteilbörsen für mehr Ressourceneffizienz

Neben Ressourcenschonung betont Michael Bär die sozialen Vorteile bei der Arbeit im GebrauchtBauMarkt Saarbrücken.

Projektleiter des GebrauchtBauMarkts in Saarbrücken, Michael Bär, ging besonders auf den sozialen Aspekt der Bauteilewiederverwendung ein. Er berichtete von seinen positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Langzeitarbeitslosen: Die Arbeit in der Bauteilbörse sei sinnstiftend und verhelfe den Menschen zu mehr Selbstbewusstsein. Gleichzeitig würden sie qualifiziert und erhielten so bessere Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Die Gäste diskutierten auch Möglichkeiten, wie das Themas Bauteilewiederverwendung in die Ausbildungsberufe im Bereich Bau integriert werden kann, um jüngere Menschen für den nachhaltigen Umgang mit Baumaterialien zu sensibilisieren. Auch tauschten die Gäste sich über die teils noch unklaren rechtlichen Bedingungen beim Umgang mit gebrauchten Bauteilen aus und erwogen Wege, wie in der Gesellschaft noch mehr Akzeptanz für die die Werte in alten Bauteilen erreicht werden kann.

Mehr Informationen zum Thema Bauteilewiederverwertung gibt es auf den Seiten des bauteilnetz Deutschland und konkrete Bauteile bei der bauteilbörse bremen.

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